TMZ stürmt Washington: Vom Promi-Klatsch zur politischen Jagd nach Skandalen
Jacob FiebigTMZ stürmt Washington: Vom Promi-Klatsch zur politischen Jagd nach Skandalen
TMZ, das für seine aggressive Paparazzi-Berichterstattung bekannte Promi-Portal, rückt nun die Politik in Washington ins Visier. Die Website, die mit spektakulären Hollywood-Enthüllungen berühmt wurde, hat begonnen, Abgeordnete in der Hauptstadt zu verfolgen und die Öffentlichkeit um ungestellte Fotos von Politikern zu bitten.
Dieser Strategiewechsel erfolgt zu einer Zeit, in der der traditionelle politische Journalismus mit sinkendem Vertrauen zu kämpfen hat: Die Ablehnungsquote des Kongresses liegt bei 86 Prozent, und das öffentliche Vertrauen in die Medien ist auf einem Tiefstand.
Gegründet 2005 von Harvey Levin, machte TMZ zunächst mit bahnbrechenden Promi-Stories Schlagzeilen. 2006 veröffentlichte das Portal die antisemitische Tirade von Mel Gibson, 2007 den Voicemail-Skandal um Alec Baldwin. Der größte Coup gelang 2009, als TMZ den Tod von Michael Jackson als Erstes bestätigte und gleichzeitig dessen Drogenmissbrauch aufdeckte, der dazu beigetragen hatte.
Der Einstieg in die politische Berichterstattung sorgt bereits für Aufsehen. Ein virales Foto von Senator Lindsey Graham, der während eines Regierungs-Shutdowns mit einem Zauberstab in Disney World posierte, wurde als gelungene Momentaufnahme unbewachter Politiker gelobt. Doch TMZ' Methoden – darunter die Bezahlung von Informanten für Tipps – stoßen oft an ethische Grenzen.
Anders als etablierte Nachrichtenorganisationen verfügt TMZ über keine Presseausweise für den Kongress. Seine Reporter sind daher auf spontane "Gehen-und-Sprechen"-Interviews vor dem Kapitol oder in öffentlichen Gebäuden angewiesen – eine Taktik, die an die Promi-Berichterstattung erinnert, bei der Hartnäckigkeit und Leser-Einsendungen die Geschichten vorantreiben.
Nicht alle politischen Meldungen von TMZ verliefen reibungslos. Die kürzliche Falschmeldung, Beyoncé werde beim Demokratischen Nationalkonvent 2024 auftreten, zeigte die Risiken des schnellen, auf Wirkung bedachten Stils.
Mit seinem Mix aus viralem Content und ungefiltertem Zugang mischt TMZ die ohnehin polarisierte Medienlandschaft weiter auf. Ob das Portal mit seinen Methoden die politische Berichterstattung prägen wird – oder nur zum Lärm beiträgt –, bleibt abzuwarten.






