24 March 2026, 14:10

Nurejews Leben als provokatives Ballett zwischen Genie und Rebellion

Eine Ballerina in einem rosafarbenen Tutu und Spitzenschuhen tanzt auf einer Bühne mit anderen Tänzern in passenden Kostümen vor einem dunklen Hintergrund.

Nurejews Leben als provokatives Ballett zwischen Genie und Rebellion

Ein kühnes Ballett über das Leben Rudolf Nurejews sorgt seit seiner Premiere für Diskussionen

Seit seiner Uraufführung im Jahr 1995 am Berliner Staatsballett setzt sich diese Neuinterpretation des Lebens des Tänzers Rudolf Nurejew mit dessen Widerspenstigkeit, künstlerischem Genie und persönlichen Kämpfen auseinander. Die Mischung aus Drama, Historie und LGBTQ+-Themen brachte dem Stück sowohl Begeisterung als auch Kontroversen ein.

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Das Ballett zeichnet Nurejews Weg nach – von seinen Anfängen an der Waganowa-Ballettakademie in Leningrad bis zu seiner spektakulären Flucht 1961. Eine Schlüsselszene zeigt, wie er sich weigert, in ein Flugzeug zurück in die Sowjetunion zu steigen, und stattdessen über Barrieren in die Freiheit springt. Die Bühne selbst wird zum Symbol seines Lebens: übersät mit Requsiten wie männlichen Akten alter Meister, Thonet-Stühlen, Sofas von Maria Callas und Anspielungen auf seine italienische Insel.

Die Neuinszenierung von 2017 am Moskauer Bolschoi-Theater, choreografiert von Juri Possochow und unter der Regie von Kirill Serebrennikow, lenkte erneut die Aufmerksamkeit auf das Werk. Kritiker lobten die emotionale Wucht des ersten Akts, doch viele empfanden den zweiten Akt als unausgeglichen. Überladen mit aufwendigen Kostümen und plakativem Humor gelang es ihm nicht, die gleiche Tiefe zu bewahren. Die offene Darstellung queerer Liebe und künstlerischer Rebellion stieß in Russland zudem auf Widerstand, wo solche Themen politisch heikel bleiben.

Den Abschluss der Produktion bildet ein stilles, aber eindringliches Bild: Nurejew, gebrechlich und mit einem weißen Turban, dirigiert die letzten Takte seines Lebens. Dieser Moment unterstreicht den Kontrast zwischen seinem feurigen Aufbegehren und seiner späteren Verletzlichkeit.

Das Ballett bleibt ein provokantes Denkmal für Nurejews Erbe, das persönliche Geschichte mit grundlegenden Fragen nach Freiheit und Identität verknüpft. Während die Reaktionen gespalten sind – gelobt für seinen Mut, kritisiert für die ungleichmäßige Umsetzung –, fordert es das Publikum weiterhin heraus. Die Zukunft des Werks in Russland bleibt angesichts anhaltender kultureller Restriktionen jedoch ungewiss.

Quelle