"Wut. Jetzt fahren wir in den Westen" – ein Dokumentarfilm dreht die Perspektive um
Julian Nette"Wut. Jetzt fahren wir in den Westen" – ein Dokumentarfilm dreht die Perspektive um
Regisseur Matthias Schmidt präsentiert neuen Dokumentarfilm mit dem Titel „Wut. Jetzt fahren wir in den Westen“
Das Projekt bricht mit gängigen Erzählmustern, indem es Westdeutschland aus der Perspektive eines Ostdeutschen betrachtet. Schmidt, Preisträger des Grimme-Preises, rückt Nordrhein-Westfalen in den Fokus – eine Region, die oft im Schatten ihrer industriellen Krisen und eines verblassenden Rufs steht.
Schmidts Dokumentation stellt eine jahrzehntelange Tradition infrage. Seit 35 Jahren reisen westdeutsche Journalisten in den Osten, um das Leben dort zu deuten. Diesmal kehrt der Filmemacher – der Nordrhein-Westfalen 1989 erstmals besuchte – den Spieß um und stellt dem Westen ähnliche Fragen. Er spricht mit Einheimischen, Zugewanderten aus der DDR und Menschen mit Migrationshintergrund, um ihre Erfahrungen zu erkunden.
Eine dieser Stimmen ist Kerstin Buscha, gebürtig aus Hoyerswerda. Obwohl sie heute in Nordrhein-Westfalen lebt, fühlt sie sich dem Osten verbunden. Eine weitere Perspektive liefert Burak Yilmaz, ein Deutscher mit türkischen Wurzeln aus Duisburg-Marxloh. Er kritisiert die Vernachlässigung seines Stadtteils und verweist auf jahrelange Unterinvestitionen.
Der Film thematisiert auch die unterschiedlichen Erfahrungen mit Migration. Schmidt betont, dass der Westen über Jahrzehnte hinweg Einwanderung erlebt hat – anders als der Osten. Marion Scholl, die einst im Bundespräsidialamt in Bonn arbeitete, beschreibt die Stadt seit dem Regierungsumzug als jünger, entspannter und internationaler. Ihre Beobachtungen spiegeln den Wandel einer Region wider, die oft als erstarrt gilt.
Schmidts Herangehensweise ist zutiefst persönlich. Indem er die übliche Erzählung umkehrt, zwingt er die Zuschauer, ihre Vorstellungen über beide Teile Deutschlands zu überdenken.
Der Dokumentarfilm wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen und Veränderungen Nordrhein-Westfalens. Er gibt Menschen eine Stimme, die sich übersehen fühlen – von DDR-Zugewanderten bis hin zu Migrantengemeinden. Durch diese Geschichten lädt Schmidts Film zu einem neuen Blick auf eine Region ein, die selten so differenziert betrachtet wird.






