Willichs umstrittenes Kita-Projekt spaltet Eltern und Stadtverwaltung
Ivana SchleichWillichs umstrittenes Kita-Projekt spaltet Eltern und Stadtverwaltung
Willich treibt trotz wachsender Bedenken von Eltern die Pläne voran, das Gelände des Reinershofs in ein generationenübergreifendes Zentrum umzuwandeln. Das Projekt, das über eine öffentlich-private Partnerschaft finanziert wird, sieht die Verlegung der Kita Alperof in die neue Einrichtung vor. Gleichzeitig wurden zwei weitere geplante Kindertagesstätten in der Stadt aufgrund finanzieller Engpässe und sinkender Nachfrage gestrichen.
Eltern und Aktivisten haben nun eine neue Initiative gestartet, um Antworten zu erhalten, und hinterfragen die städtische Strategie zur Kinderbetreuung in den nördlichen und nordöstlichen Stadtteilen Willichs.
Das generationenübergreifende Zentrum Reinershof bleibt das einzige aktive Bauprojekt für Kinderbetreuung in Willich. Im Rahmen einer Vereinbarung mit dem Investor SIGAG Städtebau GmbH finanziert das Unternehmen den Seniorenwohnbereich und die Sanierungsarbeiten und erhält im Gegenzug langfristige Nutzungsrechte. Die Stadt übernimmt hingegen die Betriebskosten der integrierten Kita und sichert sich Landeszuschüsse. Die Verantwortlichen argumentieren, dass dieser Ansatz die Betreuungskapazitäten ohne Neubauten erhält, indem bestehende Plätze verlegt und erweitert werden.
Doch die Verlegung der Kita Alperof stößt auf Widerstand. Am 6. März richteten Elternvertreter und der Förderverein der Kita einen offenen Brief an Bürgermeister Pakusch, in dem sie ihre Sorgen über längere Fahrzeiten für die Familien darlegten. Sie baten um Dialog, erhielten jedoch nach eigenen Angaben keine Antwort. Nun wird ein weiterer Brief vorbereitet, um die städtischen Angaben zu den erhöhten Pendelstrecken zu hinterfragen.
Die Frustration hat zudem zur Gründung der Kampagne "Kleine Füße, kurze Wege" geführt. Eltern fordern, dass Kinderbetreuung in den Stadtteilen verbleibt und nicht in größeren, weiter entfernten Einrichtungen zentralisiert wird. Da zwei weitere Kita-Projekte abgesagt wurden – mit Verweis auf Haushaltskürzungen und geringere Anmeldezahlen –, haben die Aktivisten den Bürgermeister zu einer offenen Diskussion eingeladen. Sie streben nachhaltige Lösungen an, die eine lokale und zugängliche Betreuung sichern.
Die Abhängigkeit des Reinershof-Projekts von privaten Investitionen verstärkt die Skepsis. Ungeklärt bleibt, wie eine gewinnorientierte Partnerschaft mit der kommunalen Pflicht zur Bereitstellung öffentlicher Kinderbetreuung vereinbar ist. Bisher haben die Verantwortlichen diese Bedenken nicht direkt adressiert.
Das Reinershof-Zentrum soll zur einzigen neuen Kinderbetreuungseinrichtung Willichs werden und die Angebote unter einem Dach bündeln. Doch da Elterninitiativen Transparenz und wohnortnahe Betreuung einfordern, könnte die Zukunft des Projekts davon abhängen, ob die Stadt auf ihre Anliegen eingeht. Das Ergebnis wird maßgeblich prägen, wie die Kinderbetreuung in den nördlichen und nordöstlichen Stadtteilen Willichs in den kommenden Jahren gestaltet wird.






