Willichs Kita-Revolution: Zu viele Plätze hier, zu wenig dort – was kommt auf Eltern zu?
Albin KeudelWillichs Kita-Revolution: Zu viele Plätze hier, zu wenig dort – was kommt auf Eltern zu?
Willich bereitet sich auf tiefgreifende Umbrüche in der Kinderbetreuung vor, da sich die Nachfrage in der Stadt verschiebt. Bis 2029 rechnen die Verantwortlichen mit einem Überschuss von 440 Kita-Plätzen – eine Folge sinkender Geburtenraten und rückläufiger Anmeldungen. Die Anpassungen umfassen Schließungen, Verlegungen und erweiterte Förderung für einige Einrichtungen, um sich der neuen Situation anzupassen.
Doch die Lage präsentiert sich in den nördlichen Stadtteilen wie Anrath und Neersen völlig anders. Dort hat der kontinuierliche Zuzug junger Familien in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Geburtenrate von 1,4 auf 1,7 Kinder pro Frau steigen lassen. Dieser Anstieg führte zu einem Nachfrageplus von 40 Prozent bei der Kinderbetreuung, was lange Wartelisten zur Folge hatte und die Stadt zwang, neue Einrichtungen zu eröffnen – etwa die 2022 in Anrath entstandenen Kitas.
Die Stadtverwaltung hat Pläne für zwei neue kommunale Kindertageseinrichtungen gestrichen und begründet dies mit finanziellen Zwängen und der insgesamt gesunkenen Nachfrage. Stattdessen sollen bestehende Ressourcen umverteilt werden. Die Kita Alperhof, die ursprünglich in einem Neubau auf ihrem aktuellen Gelände unterkommen sollte, wird nun nach Abriss des Bestandsgebäudes aus Kostengründen in das generationenübergreifende Projekt Reinershof umziehen.
Eine weitere zentrale Veränderung betrifft die Kita St. Irmgardis, die zum Ende des Kitajahres 2026/2027 schließen wird. Das Gelände wird anschließend an die Kita Villa Kunterbunt verpachtet, die dort ab 2027/2028 ihr Angebot ausbauen kann. Der neue Träger plant, Mittagsverpflegung und Ganztagsbetreuung einzuführen.
Das Brückenprojekt Schatzkiste des DRK wird bis zum 31. Juli 2026 eingestellt, während das von der AWO betriebene Blaue Haus in Schiefbahn eine vorübergehende Atempause erhält. Die freiwillige Förderung läuft zwar bis zum 31. Juli 2027 weiter, doch vor diesem Datum sollen Gespräche über eine mögliche Schließung mit dem Träger aufgenommen werden.
In Nord-Willich wächst unterdessen die Verärgerung der Eltern über den Mangel an Betreuungsplätzen. Trotz früherer Investitionen – wie den 2022 eröffneten Einrichtungen in Anrath – belasten hohe Wohnkosten und das begrenzte Angebot weiterhin die Familienplanung. Viele sehen die Gegend inzwischen als weniger attraktiv für die Kindererziehung an.
Stadtverwaltung und Kirchenverband haben sich zu weiteren Gesprächen verpflichtet, um den künftigen Bedarf zu ermitteln. Anpassungen sollen auf Basis demografischer Entwicklungen und Rückmeldungen der Bürgerinnen und Bürger vorgenommen werden.
Die Umstrukturierung wird die Kinderbetreuung in Willich in den kommenden fünf Jahren grundlegend verändern. Während in einigen Teilen der Stadt ein Überangebot an Plätzen entsteht, bleibt die Nachfrage im Norden hoch – mit anhaltendem Mangel. Einrichtungen wie die Villa Kunterbunt werden ausgebaut, andere stehen vor Schließung oder Verlegung. Die Stadt versucht, finanzielle Grenzen mit der Notwendigkeit, Familien zu unterstützen, in Einklang zu bringen – doch in unterversorgten Stadtteilen bleiben die Herausforderungen bestehen.