Wie die "Pizza-Connection" Bonn zur heimlichen Bühne der Politik machte
Ivana SchleichWie die "Pizza-Connection" Bonn zur heimlichen Bühne der Politik machte
Ein kleines italienisches Restaurant in Bonn wurde einst zur unwahrscheinlichen Bühne für politischen Dialog zwischen deutschen Konservativen und Grünen. Unter dem Namen "Pizza-Connection" war das Ristorante Sassella jahrzehntelang Schauplatz informeller Treffen von Abgeordneten. Obwohl das Lokal später wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten schließen musste, besteht die überparteiliche Runde, die es inspirierte, bis heute fort.
Die Tradition begann in den 1990er-Jahren, als das Restaurant in der Ära der Bonner Republik zum Treffpunkt für Politiker wurde. Zu den frühen Teilnehmern zählten Persönlichkeiten wie Armin Laschet und Cem Özdemir. Der Name "Pizza-Connection" soll auf Bernd Protzner zurückgehen, damals Generalsekretär der CSU, der bezweifelte, dass aus den Gesprächen jemals echte Zusammenarbeit entstehen würde.
An den Treffen nahmen Vertreter verschiedener Parteiflügel teil, doch eine schwarz-grüne Koalition auf Bundesebene kam nie zustande. Kritiker belächelten die Runden als bloße "leere Schwatzbuden". Dennoch wurde die Initiative von jeder neuen Abgeordnetengeneration wiederbelebt – später leiteten gelegentlich Jens Spahn und Omid Nouripour die Gespräche.
Das Restaurant selbst geriet nach dem Regierungsumzug nach Berlin und der Pandemie in Schwierigkeiten. Es schloss vorübergehend, was in lokalen Medien bereits Nachrufe auslöste. Nach fünfmonatigen Renovierungsarbeiten eröffnete es unter neuer Leitung wieder. Die politischen Zusammenkünfte hingegen gingen nahtlos weiter, nun organisiert von der Grünen-Abgeordneten Claudia Müller. Spitzenpolitiker nehmen seltener teil, doch auch in der neuen Legislaturperiode trifft sich die Gruppe weiterhin.
Vertraulichkeit bleibt oberstes Gebot, und die Speisekarte – oft mit Pasta – wechselt regelmäßig. Zwar wurden bei diesen Abendessen nie große politische Vereinbarungen getroffen, doch die Langlebigkeit der Runde zeigt ihre stille Beharrlichkeit in der deutschen Politik.
Die "Pizza-Connection" überdauerte ihr ursprüngliches Domizil – sie überstand die Schließung des Restaurants und Wechsel in der politischen Führung. Zwar wurden die Treffen nie formalisiert, doch sie bleiben ein seltener Ort, an dem Konservative und Grüne Ideen austauschen. Ob die Tradition weiterlebt, hängt nun davon ab, ob die neue Abgeordnetengeneration sie am Leben erhält.






