Weidemilch: Warum der Name nicht immer artgerechte Haltung garantiert
Verbraucher, die Weidemilch kaufen – also Milch von Kühen, die auf der Weide grasen –, gehen oft davon aus, dass die Tiere den Großteil ihrer Zeit im Freien verbringen. Doch der Begriff selbst bietet keine rechtlich verbindlichen Garantien. Da es verschiedene Label und Haltungsformen gibt, können die Lebensbedingungen der Kühe stark variieren.
Bei Weidemilch müssen die Tiere mindestens 120 Tage im Jahr für jeweils mindestens sechs Stunden auf der Weide stehen. Doch über die verbleibenden 245 Tage im Jahr – also zwei Drittel der Zeit – bleiben ihre Unterbringung und Fütterung für Käufer undurchsichtig. Manche Kühe werden in dieser Zeit möglicherweise sogar in Ställen angebunden gehalten, wenn sie nicht auf der Weide sind.
Label wie Pro Weideland, Für mehr Tierschutz (Premiumstufe) sowie Bio-Siegel verbieten das Anbinden generell. Gleiches gilt für Milch mit den Haltungsform-Kennzeichen 3, 4 oder 5. Produkte, die jedoch nur das Standard-3-Logo tragen (ohne den expliziten Hinweis Weidemilch), können auch von Kühen stammen, die ganzjährig im Stall gehalten werden.
Dass Kühe Zugang zu Weiden haben, wirkt sich nachweislich positiv auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden aus. Doch ohne strengere Vorgaben garantiert der Begriff Weidemilch allein keine einheitlichen Standards. Die Verbraucherzentrale NRW bietet unter www.verbraucherzentrale.nrw/node/35574 eine Übersicht zur Interpretation der verschiedenen Label an.
Wer ethisch erzeugte Milch sucht, sollte die Kennzeichnungen genau prüfen. Nur bestimmte Siegel garantieren, dass Kühe niemals angebunden oder auf engem Raum gehalten werden. Da Weidemilch rechtlich nicht geschützt ist, können sich die tatsächlichen Lebensbedingungen der Milchkühe je nach Marke deutlich unterscheiden.






