Warum Misstrauen gegen Institutionen Populisten wie die AfD stärkt
Der Soziologe Aladin El-Mafaalani hat untersucht, warum sich Menschen von etablierten Institutionen abwenden und sich populistischen Bewegungen zuwenden. In seinem neuesten Buch "Gemeinschaften des Misstrauens" analysiert er, wie der schwindende Glaube an Gerichte, Medien und Wissenschaft die Unterstützung für Gruppen wie die AfD befeuert. Seine Forschung bietet neue Ansätze, um den Aufstieg des Rechtspopulismus in Deutschland und darüber hinaus zu verstehen – und ihm zu begegnen.
El-Mafaalani, der in Dortmund forscht, konzentriert sich darauf, wie sich Misstrauen verbreitet und verfestigt. Wenn Menschen das Vertrauen in traditionelle Institutionen verlieren, suchen sie oft Gleichgesinnte, die ihre Skepsis teilen. Diese "Gemeinschaften des Misstrauens" verstärken dann gegenseitig ihre Ansichten – insbesondere über digitale Netzwerke. Zum ersten Mal ermöglicht es sozialen Medien misstrauischen Einzelpersonen, sich im großen Stil zu vernetzen und zu organisieren.
Die "Alternative für Deutschland" (AfD) hat diese Entwicklung für sich genutzt. 2013 als EU-skeptische Partei gegründet, verlagerte sie nach 2015 ihren Fokus und gewann mit ihrer Ablehnung von Migration an Zuspruch. Erste Wahlerfolge – 4,7 Prozent bei der Bundestagswahl 2013 und 7 Prozent bei der EU-Wahl 2014 – markierten ihren Aufstieg. 2017 zog sie in den Bundestag ein, und im Februar 2025 verdoppelte sie ihr Ergebnis von 2021 mit Alice Weidel als Kanzlerkandidatin. Trotz interner Spannungen und Radikalisierungstendenzen führt die Partei nun eine Bundestagsfraktion unter Weidel und Tino Chrupalla an.
El-Mafaalani warnt jedoch, dass bloße Enthüllungen über die Schwächen der AfD ihre Anhänger nicht zurück in die demokratische Mitte führen werden. Populistische Strategen untergraben gezielt das Vertrauen in Institutionen – und wenn dieses erst einmal erodiert ist, wird die Ablehnung der liberalen Demokratie zur festen Überzeugung. Seine Arbeit legt nahe, dass es wirksamer wäre, die Ursachen des Misstrauens zu bekämpfen, statt nur populistische Parteien zu kritisieren.
Der Aufstieg der AfD spiegelt einen grundlegenderen Wandel im öffentlichen Vertrauen wider, den El-Mafaalanis Forschung erklärt. Seine Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit von Strategien, die das Vertrauen in demokratische Institutionen wiederherstellen. Ohne solche Maßnahmen werden populistische Bewegungen voraussichtlich weiter an Zulauf gewinnen – besonders bei Wählern, die sich vom politischen Establishment ignoriert fühlen.






