Riesige Seen statt Braunkohle: Wie das Rheinische Revier seine Tagebaue flutet
Albin KeudelRiesige Seen statt Braunkohle: Wie das Rheinische Revier seine Tagebaue flutet
Ein gigantisches Projekt zur Flutung ehemaliger Braunkohletagebaue im rheinischen Revier schreitet voran – trotz anhaltender regulatorischer Hürden. Bis 2030 soll mit der Füllung der ersten Grube, Hambach, begonnen werden, gefolgt von zwei weiteren künstlichen Seen. Behörden versprechen neue Naherholungsgebiete und touristische Chancen, doch Kritiker warnen vor Umweltgefahren und langfristigen Kosten.
Für das Vorhaben wird eine 45 Kilometer lange Pipeline benötigt, die Rheinwasser in die Tagebaue leiten soll. Zudem fehlen noch zwei Genehmigungen, bevor die Flutung beginnen kann. Gleichzeitig sorgt Microsofts neues Rechenzentrum in der Region für Bedenken wegen konkurrierender Wassernutzung.
Die Tagebaue Hambach, Garzweiler und Inden sollen in den kommenden Jahrzehnten zu Seen umgewandelt werden. Die Flutung von Hambach startet 2030, Inden folgt im selben Jahr, Garzweiler erst 2036. Bis die Gruben vollständig gefüllt sind, werden 40 Jahre vergehen – und weitere Jahrzehnte, bis sich der Wasserspiegel durch den Rhein stabilisiert.
Eine 45 Kilometer lange Leitung aus 10.000 Rohren mit bis zu 2,2 Metern Durchmesser wird das Wasser vom Rhein in die Tagebaue transportieren. RWE-Vorstand Lars Kulik bezeichnete das Projekt als "Symbol für Verlässlichkeit" und betonte, es schaffe Seen, reguliere den Wasserkreislauf und schütze Feuchtgebiete. Andreas Heller, Bürgermeister von Elsdorf, nannte den Spatenstich ein Zeichen des Strukturwandels und prognostizierte, der künftige See werde die regionale Sichtbarkeit steigern.
Doch entscheidende Genehmigungen stehen noch aus: Die Behörden müssen noch den Wasserentzug aus dem Rhein sowie die Einleitung in die Grube Hambach bewilligen. Die Bezirksregierung Arnsberg will das Verfahren im Herbst einleiten – nach bereits erteilten Zulassungen für Infrastruktur wie die Pipeline.
Umweltverbände wie der BUND und die Initiative "Alle Dörfer bleiben" kritisieren mögliche Folgen für die Wasserqualität und das Grundwasser. Andreas Büttgen von der Bürgerinitiative "Bürirer für Bürir" warnte, RWE könnte das Projekt aufgeben und die Steuerzahler mit den Langzeitkosten zurücklassen. Hinzu kommt Microsofts neues Hyperscale-Rechenzentrum in der Region, das enorme Mengen Wasser für die Kühlung verbrauchen wird – was die Sorge vor Nutzungskonflikten schürt.
Offizielle Stellen betonen, die gefluteten Tagebaue würden aus Industriebrachen attraktive Tourismusziele machen. Kritiker hingegen zweifeln an der Realisierbarkeit des Zeitplans und den ökologischen Risiken.
Der Erfolg des Projekts hängt nun von den ausstehenden Genehmigungen und einem verantwortungsvollen Umgang mit den Wasserressourcen ab. Gelingt die Umsetzung, könnten die neuen Seen die Region wirtschaftlich und landschaftlich prägen. Verzögerungen oder Umweltprobleme jedoch könnten unfertige Gruben und ungelöste Kosten hinterlassen.






