Räumung des "Sünderwäldchens" beginnt – neuer Streit um Braunkohle und Naturschutz
Albin KeudelWas Sie über die Rückeroberung des 'Sündlichen Waldes' wissen müssen - Räumung des "Sünderwäldchens" beginnt – neuer Streit um Braunkohle und Naturschutz
Die Räumung des "Sünderwäldchens" in der Nähe des deutschen Tagebaus Hambach hat begonnen und entfacht eine neue Debatte über den Braunkohleabbau. Am Dienstagmorgen rückte die Polizei an, um das Waldstück zu räumen – nur wenige Tage, nachdem die Fällung der Bäume ab dem 1. Oktober rechtlich erlaubt war. Die Aktion weckt Erinnerungen an frühere Konflikte um den benachbarten Hambacher Forst, auch wenn das kleinere Gelände nicht über denselben rechtlichen Schutz verfügt.
Das "Sünderwäldchen" – ein Waldstück östlich des Hambacher Forsts – verdankt seinen Namen lokalen Erzählungen über heimliche Jugendtreffen. Anders als sein größerer Nachbar fiel es nicht unter den Braunkohle-Kompromiss von 2020, der den Hambacher Forst vor weiterer Rodung bewahrte. Im Januar entschied das Oberverwaltungsgericht Münster, dass der Energiekonzern RWE mit seinen Plänen zur Abholzung fortfahren darf.
RWE behauptet, die Rodung sei aus Sicherheitsgründen notwendig. Das Unternehmen argumentiert, der dortige Kies werde benötigt, um die Ufer eines künftigen Sees zu stabilisieren – Teil des Plans von Nordrhein-Westfalen, ehemalige Braunkohletagebaue bis 2030 zu fluten. In dem Gebiet wurden vier geschützte Arten nachgewiesen: die Bechsteinfledermaus, der Haselmaus, der Mittelspecht und der Moorfrosch. Allerdings bleiben konkrete Schutzmaßnahmen in den öffentlichen Unterlagen unklar.
Kritiker werfen dem Unternehmen vor, die Zerstörung des Waldes diene vor allem kommerziellen Interessen, und verweisen auf Pläne für eine Yacht-Marina am künftigen See. Jahrzehntelanger Braunkohleabbau hat in der Region bereits riesige Krater hinterlassen und die Landschaft in eine mondähnliche Oberfläche verwandelt. Angesichts des für 2030 geplanten Braunkohleausstiegs zeigt der Streit die Spannungen zwischen industriellem Erbe und ökologischer Wiederherstellung.
Die Räumung läuft derzeit auf Hochtouren, während RWE betont, alle notwendigen Genehmigungen vorliegen zu haben. Das "Sünderwäldchen" weicht nun der Kiesförderung, während langfristig vorgesehen ist, das Gebiet unter einem neuen See verschwinden zu lassen. Vorerst markiert die Räumung ein weiteres Kapitel im sich wandelnden Verhältnis des Rheinlands zu seiner Bergbauvergangenheit.






