Opernhäuser setzen auf Lifestyle statt auf Mozart – funktioniert das?
Julian NetteOpernhäuser setzen auf Lifestyle statt auf Mozart – funktioniert das?
Opernhäuser in ganz Europa ändern ihre Art, für ihre Kunst zu werben. Auf Instagram setzen viele nun auf Lifestyle, Getränke und Influencer:innen – statt auf die Musik selbst. Mit dem Wandel soll ein jüngeres Publikum durch einen lässigeren Ansatz angelockt werden.
Die Festspielhaus Baden-Baden zeigt auf Instagram „Klassik und Spritz“ neben „Sundowner und DJ“. Junge Influencer:innen bewerben oft Dresscodes, Überlebenstipps und Drinks, statt über die Aufführungen zu sprechen. Die Wiener Staatsoper setzt auf junge Moderator:innen, die mitunter herablassend auf ihr Publikum wirken.
Das Konto der Berliner Staatsoper präsentiert Beiträge von Bülent Ceylan, dem neuen Bassa in Die Entführung aus dem Serail, betont aber auch Sponsoren wie BMW. Ein Kollege des Autokonzerns begrüßt die Zuschauer:innen häufig vom Dach verschiedener PS-starker Modelle aus. Der Influencer Opera Bert taucht regelmäßig in den Feeds mehrerer Opernhäuser auf.
Nicht alle Einrichtungen folgen diesem Trend. Die Bayerische Staatsoper bleibt bei der Kunst und teilt Gespräche zwischen Künstler:innen und Regisseur:innen.
Die Marketingwende inszeniert Oper als Wohlfühlort mit Pausen-Drinks – weniger als Raum für tiefe Auseinandersetzung. Sponsoren und Lifestyle-Inhalte rücken oft in den Mittelpunkt. Nur wenige Häuser stellen in ihrer Online-Präsenz noch die Musik selbst in den Vordergrund.
