19 March 2026, 16:12

NRW-Psychotherapeut:innen streiken gegen drohende Honorarkürzungen und Versorgungsmangel

Altes Schwarz-Weiß-Zeitungsfoto vom 'Berliner Wespen, 6. August 1875' mit einer Gruppe von Menschen in Not, einige schauen ängstlich nach oben, andere verwirrt nach unten.

NRW-Psychotherapeut:innen streiken gegen drohende Honorarkürzungen und Versorgungsmangel

Psychotherapeut:innen in Nordrhein-Westfalen gehen am Donnerstag auf die Straße

In ganz Nordrhein-Westfalen (NRW) werden Psychotherapeut:innen an diesem Donnerstag gegen geplante Honorarkürzungen protestieren, die die ohnehin angespannte Versorgungslage in der psychotherapeutischen Behandlung weiter verschärfen könnten. Demonstrationen sind in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und Bielefeld geplant.

Aktuell müssen Patient:innen in NRW im Schnitt fünf Monate auf einen Ersttermin in der Psychotherapie warten. Das Problem ist bundesweit spürbar: Deutschlandweit fehlen schätzungsweise 7.000 über die gesetzliche Krankenversicherung finanzierte Therapieplätze – besonders in ländlichen Regionen und in Bundesländern, die noch mit veralteten Planungsdaten aus den 1990er-Jahren arbeiten.

Die Proteste richten sich gegen eine für den 1. April 2026 beschlossene Kürzung der Erstattungssätze um 4,5 Prozent. Während die Krankenkassen die Senkung als notwendig begründen, warnen Therapeut:innen, dass dies noch mehr Behandler:innen dazu bewegen könnte, sich aus der gesetzlichen Versorgung zurückzuziehen und stattdessen privat zu behandeln – mit gravierenden Folgen für Versicherte der gesetzlichen Kassen.

Schon jetzt ist der Erwerb einer Kassenzulassung (Kassensitz) mit hohen Kosten verbunden, ohne dass es regulierte Preisobergrenzen gibt. Moritz Esser-Wolters, Psychotherapeut in Coesfeld, investierte rund 50.000 Euro in die Eröffnung seiner Praxis. Angesichts solcher finanziellen Hürden und der zusätzlichen Honorarkürzungen könnte es für viele Kolleg:innen unattraktiv werden, weiter im System der gesetzlichen Krankenversicherung zu arbeiten.

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Die Psychotherapeutenkammer NRW schlägt Alarm: Psychotherapeut:innen verdienen bereits jetzt weniger als jede andere Fachärztgruppe in Deutschland. Die geplanten Kürzungen werden die Kluft zwischen privat und gesetzlich erstatteten Sätzen weiter vergrößern – und damit die wirtschaftliche Existenz vieler Praxen gefährden.

Besonders betroffen sind ländliche Regionen und Gebiete mit veralteter Gesundheitsplanung. Trotz offizieller Aussagen über ein Überangebot warten Patient:innen dort oft monate- oder sogar jahrelang auf eine Behandlung. Die Honorarsenkungen drohen, den Mangel noch weiter zu verschärfen.

Sollte die für April 2026 beschlossene Kürzung um 4,5 Prozent nicht rückgängig gemacht werden, rechnen Therapeut:innen mit einem weiteren Rückgang der kassenfinanzierten Therapieplätze und noch längeren Wartezeiten. Ohne Gegenmaßnahmen könnte sich die Versorgungssituation in der psychotherapeutischen Behandlung in NRW weiter dramatisch verschlechtern.

Quelle