21 March 2026, 08:09

NRW führt umstrittene ABC-Klassen für Kinder mit Sprachförderbedarf ein

Eine Gruppe von Menschen, die auf einem Sofa sitzen, einige halten Bücher und Stifte, mit dem Text 'Internationale Bildungswoche IEW 2016' in der Mitte, die sich scheinbar in ein Gespräch vertieft haben.

NRW führt umstrittene ABC-Klassen für Kinder mit Sprachförderbedarf ein

Nordrhein-Westfalen (NRW) plant ab 2028 verpflichtende ABC-Klassen für Kinder mit Deutschförderbedarf vor der Einschulung. Während das Saarland im April 2026 ein Pilotprojekt startet, haben andere Bundesländer noch keine vergleichbaren Modelle eingeführt. Die Pläne stoßen jedoch bei Kommunalpolitikern und Fachleuten auf Kritik, die mögliche Probleme bei Integration und Inklusion befürchten.

Die Landesregierung in NRW sieht vor, dass Kinder mit Sprachförderbedarf vor dem Schulbeginn separate ABC-Klassen besuchen müssen. Das Saarland erprobt ab April 2026 ein ähnliches System mit gezielter Sprachförderung. Bisher gibt es jedoch keine dokumentierten empirischen Erkenntnisse zu Herausforderungen wie Stigmatisierung, Abstimmung mit bestehenden Programmen oder Personalmangel – obwohl die NRW-Verantwortlichen diese als wahrscheinliche Hürden einräumen.

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Kritiker monieren, dass das Modell bewährte Förderstrukturen untergräbt. Die Bildungsexpertin Jessica Schliewe betont, dass Sprachentwicklung am besten in vertrauten Kita-Umgebungen gelingt, wo Kinder Vertrauen aufbauen und natürlich lernen. Maja Wehrmann warnt, dass die Herausnahme der Kinder aus ihren Gruppen gewohnte Lernroutinen stören und sie als "anders" brandmarken könnte – was Inklusionsbemühungen konterkariert.

Lokale Politiker, darunter Vertreter von CDU und Grünen in Solingen, lehnen die neuen Klassen ab. Sie fordern NRW auf, stattdessen bestehende Kita-Programme zu stärken, anstatt ein paralleles System zu schaffen. Die Kommunalpolitikerin Simone Lammert weist darauf hin, dass ABC-Klassen möglicherweise nur Doppelstrukturen schaffen, statt die Förderung zu verbessern. Beide Parteien befürworten zwar frühe Sprachbildung, verlangen aber eine bessere Abstimmung zwischen Land und Kommunen sowie eine Überarbeitung des aktuellen Vorschlags.

Trotz ungelöster Bedenken hinsichtlich Inklusion und Effizienz wird das ABC-Klassen-Modell in NRW und dem Saarland vorangetrieben. Kommunen und Bildungsexperten fordern eine klarere Verzahnung mit bestehenden Systemen sowie mehr Zusammenarbeit zwischen Landes- und lokalen Behörden. Das Pilotprojekt im Saarland könnte erste Erkenntnisse liefern, doch eine flächendeckende Einführung in Deutschland bleibt ungewiss.

Quelle