Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis für ihren Kampf um Demokratie in Belarus
Gerhart HenckSpätverleihung des Karlspreises an belarussische Oppositionsfigur Kolesnikova - Maria Kolesnikowa erhält Karlspreis für ihren Kampf um Demokratie in Belarus
Maria Kolesnikowa, eine führende belarussische Oppositionsfigur, hat den Internationalen Karlspreis in einer feierlichen Zeremonie in der Krönungshalle zu Aachen erhalten. Die Auszeichnung, die ihr zwar bereits 2022 zuerkannt, aber erst an diesem Wochenende überreicht wurde, würdigt ihren Einsatz für Demokratie und freie Wahlen in Belarus. Kolesnikowa war erst vor wenigen Monaten nach Jahren in Haft unter dem Regime von Alexander Lukaschenko freigelassen worden.
2020 war sie wegen ihrer Rolle bei den Massenprotesten gegen die umstrittene Wiederwahl Lukaschenkos verhaftet worden. Ein Gericht verurteilte sie später zu elf Jahren in einer Strafkolonie. Ihre Freilassung erfolgte im Dezember 2025 im Rahmen einer Gruppe von 123 politischen Gefangenen, die die Regierung begnadigte.
Seither hat Deutschland sie aufgenommen, wo sie nun politisches Asyl erhalten soll. Der seit 1950 jährlich verliehene Karlspreis ehrt ihren "außergewöhnlichen Mut" im Widerstand gegen das autoritäre Regime.
Belarus bleibt unter Lukaschenkos Kontrolle, ohne Anzeichen für Reformen – trotz der Freilassungen. Das Regime setzt Repression, digitale Abriegelung und enge Bindungen zu Russland, China und den Taliban fort. UN-Experten berichten weiterhin über Menschenrechtsverletzungen, darunter erzwungene Exile. Zwar sucht Lukaschenkos Regierung seit Januar 2026 mit Initiativen wie der Einladung zum Friedensrat den Dialog mit dem Westen, doch Proteste wie 2020 haben sich nicht wiederholt.
Kolesnikowas Auszeichnung unterstreicht ihren langjährigen Kampf für demokratischen Wandel in Belarus. Doch die politische Landschaft des Landes bleibt unverändert: Lukaschenko hält sich an der Macht, während Oppositionsfiguren wie Swjatlana Zichanouskaja im Exil leben. Die Unterdrückung durch das Regime dauert an – selbst dort, wo es begrenzte Annäherung an westliche Staaten sucht.