Machtkampf im Handwerk: ZDK und ZVK liefern sich erbitterten Streit um Reformen
Ivana SchleichMachtkampf im Handwerk: ZDK und ZVK liefern sich erbitterten Streit um Reformen
Ein erbitterter Streit zwischen dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDK) und dem Zentralverband der Deutschen Kfz-Gewerbe (ZVK) hat sich nach umfassenden gesetzlichen Reformen im Januar weiter zugespitzt. Die Änderungen, die der ZDK als Reaktion auf gezielten Druck bezeichnet, zielen auf eine Neuordnung der Governance-Strukturen und der Mitgliedschaftsregeln ab. Die Spannungen haben nun einen kritischen Punkt erreicht – beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, die Arbeitsfähigkeit der Organisation zu untergraben.
Die im Januar 2024 in Kraft getretenen Reformen schaffen gemeinsame Personalstrukturen in den Gremien ab und erzwingen eine klare institutionelle Trennung. Ausschüsse fungieren künftig nur noch als beratende Gremien, während die Sprecherrechte auf oberster Ebene zentralisiert wurden, um widersprüchliche öffentliche Aussagen zu vermeiden. Eine zentrale Neuerung schwächt den garantierten Einfluss des ZVK: Statt fester Mandate soll nun lediglich ein Mitglied aus der Handwerksführung stammen.
Der ZDK hat zudem direkte Mitgliedschaftswege für Betriebe eröffnet, die sich direkt der Bonner Zentrale anschließen können. Dieser Schritt soll verhindern, dass regionale Innungen organisatorisch isoliert werden. Personalentscheidungen, so der ZDK, würden künftig durch demokratische Abstimmungen in Mitgliederversammlungen und nicht mehr hinter verschlossenen Türen getroffen.
Die finanziellen Spannungen verschärften sich im Oktober 2025, als der ZVK 95 Prozent der ZDK-Mitgliedsbeiträge einforderte – eine Forderung, die der ZDK-Vertreter Peckruhn als Versuch bezeichnete, den Verband "auszuhungern". Gleichzeitig hat ein langjähriger Streit über Gebühren für Fahrzeugprüfungen viel von seiner rechtlichen Brisanz verloren, sodass der Machtkampf nun im Mittelpunkt steht.
Der ZDK rechtfertigt den Umbruch mit dem Ziel größerer Transparenz und einer besseren Anpassung an die "wirtschaftlichen Realitäten". Bisher gibt es jedoch keine konkreten Angaben dazu, wie sich die Reformen auf die Landesverbände in Bayern und Nordrhein-Westfalen auswirken, wo der ZVK weiterhin erheblichen Einfluss besitzt.
Die Reformen markieren eine entscheidende Wende in der Arbeitsweise des ZDK und kappen die traditionellen Bindungen an den ZVK. Angesichts der bedrohten Mitgliedsbeiträge und der nun straff organisierten Governance wird sich in den kommenden Schritten zeigen, ob die Änderungen den Verband stabilisieren – oder die Gräben weiter vertiefen.