Gefährliche Kosmetik: Warum verbotene Chemikalien weiterhin unsere Regale fluten
Albin KeudelGefährliche Kosmetik: Warum verbotene Chemikalien weiterhin unsere Regale fluten
Seit 2012 wurden in der EU über 4.000 Kosmetikprodukte wegen gesundheitlicher Bedenken vom Markt genommen. Trotz strenger Verbote werden jedoch weiterhin gefährliche Artikel online und in Geschäften verkauft. Untersuchungen zeigen, dass verbotene Substanzen weiterhin über große Einzelhändler und E-Commerce-Plattformen zu den Verbrauchern gelangen.
Die EU hat fast 2.000 Stoffe in Kosmetikartikeln verboten oder eingeschränkt, viele davon stehen im Zusammenhang mit Krebs, genetischen Schäden oder Fruchtbarkeitsstörungen. Dennoch sind Produkte mit diesen Chemikalien weiterhin erhältlich. Im März 2023 wurde etwa ein Schwarzkopf-Glitzer-Haargel mit Lilial (BMHCA) – seit 2019 verboten – online erworben. Das Rechercheportal CORRECTIV kaufte zudem drei verbotene Produkte, darunter einen Nivea-Rasierschaum mit BMHCA von Amazon sowie ein Haarprodukt mit Glyoxylsäure, das derzeit von der EU auf Toxizität überprüft wird.
Wimperenserums mit Prostaglandin-Analoga, die Krebs auslösen und die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können, werden nach wie vor in großen Drogeriemarktketten wie DM und Rossmann verkauft. Die Europäische Kommission arbeitet derzeit an einem Verbot dieser Substanzen. Unterdessen meldete das EU-Schnellwarnsystem Safety Gate im Jahr 2025 über 20.000 illegale Produkte, viele davon auf Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress.
Am 15. April 2026 wird die EU über die Chemikalien-Omnibus-Novelle abstimmen. Sollte sie verabschiedet werden, könnte sich die zulässige Verkaufszeit für verbotene Produkte von 18 Monaten auf bis zu sechs Jahre verlängern. Dies geschieht zu einer Zeit, in der der Markt mit neuen Artikeln überflutet wird – täglich kommen 800 Kosmetikprodukte hinzu, derzeit sind rund 600.000 in Europa erhältlich.
Trotz EU-Beschränkungen zirkulieren verbotene Kosmetikprodukte weiterhin. Die anstehende Abstimmung über die Chemikalien-Omnibus-Novelle könnte die Zeit verlängern, in der diese Artikel im Handel bleiben. Verbraucher sind nach wie vor Risiken durch illegale Verkäufe ausgesetzt, während die Behörden daran arbeiten, die Kontrollen zu verschärfen.






