EU-Saatgutgesetz bedroht kleine Erzeuger und seltene Pflanzensorten
Edit NiemeierEU-Saatgutgesetz bedroht kleine Erzeuger und seltene Pflanzensorten
Ein geplanter EU-Saatgutgesetzentwurf sorgt bei kleinen Erzeugern und Hobbygärtnern für Besorgnis. Die derzeit in Verhandlung befindliche Verordnung könnte viele Nischenanbieter aufgrund strenger Zertifizierungsvorschriften und hoher Gebühren aus dem Geschäft drängen. Ohne sie müssten Züchter künftig möglicherweise auf standardisiertes Saatgut großer Industriekonzerne zurückgreifen.
Die Verhandlungen über das neue Gesetz laufen bereits seit Februar 2026. Die Europäische Kommission, das Parlament und der Rat der Mitgliedstaaten ringen noch um die finalen Details. Während das Parlament Ausnahmen fordert, um kleine Erzeuger zu schützen, setzt der Agrarministerrat auf einen strengeren Kurs mit verschärften Kontrollen.
Besonders besorgt über ihre Zukunft sind kleine Saatguthändler in Düsseldorf. Viele fürchten, die neuen Regeln könnten ihre Existenzgrundlage zerstören. Auch Selbstversorger wie Anne Mommertz aus Düsseldorf könnten in Schwierigkeiten geraten, falls das vielfältige Saatgutangebot verschwindet.
Das Gesetz könnte den Handel mit traditionellem Saatgut stark erschweren und damit seltene Pflanzensorten gefährden. Als Reaktion darauf haben Saatgutbibliotheken in Köln und Neuss damit begonnen, kostenlos Saatgut zu verleihen, um die biologische Vielfalt zu bewahren. Veranstaltungen wie das 8. Münchner Saatgutfest, das am 1. März 2026 im Ökologischen Bildungszentrum stattfand, präsentierten kleine Anbieter seltener Sorten. Organisationen wie der Verein Kulturpflanzenentwicklung Obergrashof e.V. und das Gen-ethische Netzwerk haben sich gegen die Verordnung ausgesprochen und warnen vor den Folgen für die Artenvielfalt und kleine Betriebe.
Sollte das Gesetz in seiner aktuellen Form verabschiedet werden, könnten kleine Saatguthersteller vom Markt verschwinden. Hobbygärtner und Selbstversorger hätten dann nur noch eingeschränkte Wahlmöglichkeiten und wären vor allem auf industriell produziertes Saatgut angewiesen. Das Ergebnis der Verhandlungen wird entscheiden, ob seltene Sorten überleben – oder für immer verloren gehen.