Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – Verkaufseinbruch bedroht soziale Projekte
Ivana SchleichDüsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – Verkaufseinbruch bedroht soziale Projekte
Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin, das von obdachlosen und marginalisierten Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet einen drastischen Rückgang der Verkaufszahlen. Die Auflage ist von einst 40.000 Exemplaren auf weniger als 12.000 im Januar dieses Jahres gesunken. Die Krise spiegelt die allgemeinen Herausforderungen der Printmedien wider – verschärft durch eine wachsende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen.
Seit langem bietet das Magazin Obdachlosen eine wichtige Einnahmequelle und ermöglicht es ihnen, ihr Geld mit Würde zu verdienen. Die Verkäufer:innen, viele mit Migrationshintergrund, behalten die Hälfte des Verkaufspreises – 1,70 Euro pro verkauftes Heft (Preis: 3,40 Euro) –, während der Rest soziale Projekte finanziert. Dazu gehören Straßenhilfe, medizinische Versorgung für herrenlose Hunde und Initiativen nach dem "Housing First"-Prinzip.
In letzter Zeit nehmen Rassismus und Anfeindungen gegenüber den Verkäufer:innen zu, was den Verkauf zusätzlich erschwert. Gleichzeitig setzt ihnen der Wandel hin zu digitalen Nachrichten stark zu – ein Trend, der die gesamte Branche betrifft. Mindestens zehn große deutsche Straßenzeitungen, darunter "Strassenfeger" und "Motz", verzeichnen Rückgänge von 40 bis 70 Prozent bei ihren Auflagen. Einige, wie die "taz", setzen stattdessen auf digitale Abos, Crowdfunding und Kooperationen, um zu überleben.
Doch "fiftyfifty" ist mehr als nur ein Verkaufsprojekt: Es dient als Sprachrohr für gesellschaftliche Missstände, deckt Ungerechtigkeiten auf und kämpft gegen Diskriminierung. Das Magazin hält das Thema Obdachlosigkeit in der öffentlichen Debatte präsent und verbindet Verkäufer:innen, Leser:innen und Gesellschaft. Finanziert wird es zusätzlich durch Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie, in der Werke bekannter Künstler:innen verkauft werden.
Die jüngste Preiserhöhung auf 3,40 Euro soll die steigenden Kosten ausgleichen, doch die Zukunft bleibt ungewiss. Ohne stabile Verkaufszahlen könnten wichtige Unterstützungsprogramme in Gefahr geraten.
Der Rückgang der "fiftyfifty"-Verkäufe bedroht nicht nur die Existenzgrundlage der Verkäufer:innen, sondern auch lebenswichtige soziale Projekte. Trotz Digitalisierung und wachsender Feindseligkeit bleibt die Rolle des Magazins als Fürsprecher und Gemeinschaftsstütze unverzichtbar. Sein Überleben hängt nun davon ab, sich anzupassen – ohne dabei seine Kernmission aus den Augen zu verlieren.