Deutsche Unternehmen scheitern an ihrer digitalen Souveränität – trotz hoher Ziele
Albin KeudelDeutsche Unternehmen scheitern an ihrer digitalen Souveränität – trotz hoher Ziele
Eine neue Studie zeigt: Deutsche Unternehmen bewerten ihre digitale Souveränität mit knapp 66 Prozent – fast 12 Prozentpunkte unter ihrem angestrebten Niveau. Das geht aus dem Digitalen Souveränitätsindex (DSI) hervor, einer gemeinsamen Untersuchung des IT-Dienstleisters Adesso und des Handelsblatt Research Institute.
Der Index definiert digitale Souveränität als Selbstbestimmung, strategische Partnerschaften und Resilienz – nicht als Abschottung. Dennoch setzen viele Unternehmen bei kritischen Technologien weiterhin stark auf nicht-europäische Anbieter. Besonders Cloud-Dienste, Software und KI bleiben zentrale Abhängigkeitsbereiche.
Zwar halten 92 Prozent der befragten Firmen digitale Souveränität für wichtig, doch nur 21 Prozent verfügen über eine formale Strategie. Die Verantwortung liegt meist bei den IT-Abteilungen, während lediglich 25 Prozent der Unternehmen das Thema auf Vorstandsebene verankern. Fast die Hälfte (46 Prozent) beschränkt sich auf Cloud- und Sicherheitsfragen.
Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender von Adesso, warnte, dass Unternehmen die strategischen Risiken unterschätzen. Die Studie ergab zudem, dass 80 Prozent der Firmen bereit wären, für souveräne Lösungen einen Aufpreis zu zahlen – im Schnitt etwa 17 Prozent mehr. Ihr angestrebter Souveränitätsgrad liegt bei 77,8 Prozent, deutlich über den aktuellen 65,8 Prozent.
Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit unterstreicht den Bedarf an stärkerer Führung und klareren Strategien. Da die meisten Unternehmen in souveräne Alternativen investieren wollen, deutet der Bericht auf einen möglichen Prioritätenwandel hin. Konkrete Schritte zur Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Anbietern bleiben jedoch vorerst begrenzt.






