29 June 2026, 18:18

Bachmann-Preis 2024: Mutige Stimmen und prekäre Realitäten der Literaturszene

In Frontal Opposition zu Allem

Bachmann-Preis 2024: Mutige Stimmen und prekäre Realitäten der Literaturszene

Der Bachmann-Preis fand im Juni unter scharfem Blick der Öffentlichkeit statt – Autoren sahen sich einer Jury gegenüber, die oft mit einem Tribunal verglichen wird. Sieben Jurorinnen prüften jeden Text mit größter Sorgfalt und lösten damit Debatten über das Format der Veranstaltung und deren Auswirkungen auf die Schriftsteller aus. Der Wettbewerb lenkte zudem die Aufmerksamkeit auf die finanziellen Nöte der Literaturszene.

Besonders im Vorfeld sorgte Slata Roschal für Schlagzeilen, noch bevor die Lesungen begannen. Sie kündigte an, die Bühne direkt nach ihrem Auftritt zu verlassen und sich jeder Auseinandersetzung mit der Jury zu entziehen. Ihre Kritik richtete sich gegen das Literaturestablishment: Sie prangerte schlecht bezahlte Stipendien und magere Einnahmen an, die die meisten Autor:innen in prekäre Lebensumstände zwängen.

Bei der Preisvergabe gab es mehrere herausragende Gewinner:innen. Schaette sicherte sich den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis sowie den Publikumspreis für Was wir tragen, einen Text über lebenslange Gewalt gegen dickleibige Menschen. Magdalena Schrefel erhielt den 3sat-Preis (7.500 Euro) für Kirschen, Herz in der Schlinge, eine persönliche Auseinandersetzung mit Brustkrebs und den Schwierigkeiten, darüber zu sprechen. Kinga Tóth gewann den KELAG-Preis für ihre scharf beobachtete, polyphone Schilderung eines „Ostblock-Mädchens“ und dessen alltägliche Demütigungen. Ozan Zakariya Keskinkılıç wurde mit dem Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn ausgezeichnet – eine differenzierte Geschichte über einen schwulen Vater, zerrissen zwischen der Liebe zu seinem Sohn und seinem Partner.

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Wiederkehrende Motive zogen sich durch die Lesungen, etwa das des „Flecks“, das für Heiterkeit sorgte, zugleich aber subtil auf instabile Lebensverhältnisse anspielte. Die Jury thematisierte in ihren Rückmeldungen die wirtschaftlichen Zwänge, verwarf kaum einen Text pauschal und lobte stattdessen Kreativität und prägnante Einzelformulierungen. Die Veranstalter:innen wiederum erinnerten an die Namensgeberin des Preises, Ingeborg Bachmann, und ihr Hörspiel Der gute Gott von Manhattan – angesiedelt an einem glühend heißen Sommertag, mit Gott auf der Anklagebank.

Der Bachmann-Preis präsentierte einmal mehr mutige literarische Stimmen und brennende gesellschaftliche Themen. Die Preisträger:innen nahmen bedeutende Auszeichnungen entgegen, während die Debatten über die finanziellen Realitäten der Branche und das Format der Veranstaltung weitergingen. Der Wettbewerb bleibt eine zentrale Plattform für aufstrebende Autor:innen – doch die Herausforderungen spiegeln jene der gesamten Literaturszene wider.

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