Anna Netrebkos polarisierende Rückkehr an die Berliner Staatsoper mit Un ballo in maschera
Albin KeudelAnna Netrebkos polarisierende Rückkehr an die Berliner Staatsoper mit Un ballo in maschera
An der Berliner Staatsoper feierte eine mutige Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere – mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle der Amelia. Die Uraufführung erntete sowohl begeisterten Applaus als auch scharfe Kritik, da vor dem Opernhaus Demonstranten gegen ihre früheren Verbindungen zur russischen Führung protestierten.
Die von Rafael R. Villalobos inszenierte Produktion verband Verdis Klassiker mit modernen Themen, darunter queere Ballroom-Kultur und Anspielungen auf die AIDS-Krise. Netrebko, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, kehrte damit in die deutsche Hauptstadt zurück – mitten in die anhaltende Debatte über ihre politische Haltung.
Die Premiere am 15. Dezember markierte Netrebkos jüngste große Rolle in Berlin, wo sie bereits mehrfach aufgetreten ist. Unter der musikalischen Leitung von Enrique Mazzola erhielt die Inszenierung von weiten Teilen des Publikums stehende Ovationen, während vereinzelt auch Buhrufe zu hören waren. Villalobos' Regie überzeugte mit markanten visuellen Elementen und verwebte historische mit zeitgenössischen Konflikten in der Oper des 19. Jahrhunderts.
Vor dem Gebäude versammelten sich etwa 50 Protestierende, die ukrainische Flaggen schwenkten und Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" oder "Russland ist ein Terrorstaat" skandierten. Die Kundgebungen spiegelten die anhaltende Kritik an Netrebko wider, die auf ihre Geburtstagsfeier 2021 im Moskauer Kreml und ihre wahrgenommene Nähe zu Präsident Wladimir Putin zurückgeht. Elisabeth Sobotka, Intendantin der Staatsoper, betonte später, die Sängerin habe sich öffentlich von Russland distanziert und sei seitdem nicht dorthin zurückgekehrt.
Trotz der Kontroversen bleibt Netrebkos Terminkalender gut gefüllt. Anfang März 2026 wird sie als Abigaille in Nabucco an der Wiener Staatsoper zu erleben sein, mit weiteren Vorstellungen bis zum 8. März. Im April folgt ihre Rückkehr als Floria Tosca in Tosca.
Die Berliner Premiere unterstrich einmal mehr die Spannung zwischen künstlerischem Anspruch und politischer Bewertung. Während Netrebkos Auftritt sowohl Bewunderung als auch Protest hervorrief, setzte die Inszenierung mit ihren thematischen Brüchen neue Maßstäbe. Die Entscheidung der Staatsoper, sie zu besetzen, zeigt das schwierige Balanceakt zwischen Kunst und öffentlicher Meinung.






