02 May 2026, 18:19

7:0 ohne Verbissenheit – braucht Fußball wirklich brutale Dominanz?

Plakat, das Zuschauer bei einem Fußballspiel in einem Stadion zeigt, mit dem Text "Fußball von der U-Bahn - Londoner Humor Nr. 3" darüber.

7:0 ohne Verbissenheit – braucht Fußball wirklich brutale Dominanz?

Ein kürziger 7:0-Sieg gegen Leverkusen hat die Debatte über den richtigen Siegestil im Fußball neu entfacht. Die überlegene Mannschaft glänzte mit Technik, Tempo und Präzision – doch ohne die sonst so gepriesene Aggressivität, die oft als unverzichtbar gilt. Nun fragen sich Kritiker und Trainer, ob Erfolg wirklich davon abhängt, auf dem Platz „verbissen“, „gnadenlos“ oder gar „ekelerregend“ zu sein.

Fußballjournalisten beschreiben Spitzenmannschaften häufig als „verbissen“, „beißend“ oder „gierig nach Erfolg“. Auch Spieler und Trainer fördern diese Einstellung bewusst, in der Überzeugung, damit Gegner einschüchtern zu können. Joshua Kimmich gab kürzlich zu, einen „noch verbisseneren, noch gnadenloseren“ Ansatz zu verfolgen. Und Julian Nagelsmann forderte vor dem Spiel Deutschlands gegen Nordirland von seiner Mannschaft „Gier und Verbissenheit“.

Auch die Idee, für den Gegner „ekelerregend“ zu spielen, gewinnt an Bedeutung. Manche Akteure argumentieren, dass eine solche Haltung bei den Kontrahenten Abscheu auslösen und ihnen so einen psychologischen Vorteil verschaffen könnte. Doch die Mannschaft, die Leverkusen mit 7:0 deklassierte, setzte auf Kreativität, schnelles Kombinationsspiel und eiskalte Effizienz – nicht auf Härte oder Provokation.

Arminia Bielefeld führt seine jüngsten Erfolge auf eine „deutlich gestiegene Verbissenheit“ zurück. Maximilian Philipp von SC Freiburg hingegen musste sich Kritik gefallen lassen, weil er im Training nicht „verbissen genug“ agiert habe. Trainer und Spieler stehen damit vor einem Dilemma: Zu viel Gier kann in Maßlosigkeit umschlagen, während Verbissenheit zwar unermüdlichen Antrieb verspricht, aber auch die Gefahr birgt, die Freude am Spiel zu ersticken.

Die Diskussion geht über taktische Fragen hinaus. Schon in Jean-Paul Sartres Roman „Die Ekel“ von 1938 spielt der Begriff der „Abscheu“ eine zentrale Rolle – ein Beleg für seine kulturelle Tragweite. Im Fußball aber bleibt die Frage: Braucht es zur Dominanz wirklich Brutalität, oder kann reines Können den Ausschlag geben?

Der 7:0-Erfolg beweist, dass eine Mannschaft auch ohne aggressive Spielweise überlegen sein kann. Dennoch halten viele im Fußball an der Verbissenheit als Erfolgsrezept fest. Während Spieler und Trainer abwägen, welche Philosophie sie verfolgen, könnte sich der künftige Stil des Sports daran entscheiden, ob die nächste Generation von Siegern durch Klasse – oder durch Kompromisslosigkeit – geprägt sein wird.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones
Quelle