04 April 2026, 12:10

1955: Wie die Bundeswehr gegen massiven Protest gegründet wurde

Schwarzes und weißes Foto von Soldaten, die auf einer von Bäumen gesäumten Straße in Berlin während des Ersten Weltkriegs marschieren, mit Mützen und Gewehren, sowie Gebäuden und einem Pfahl im Hintergrund.

1955: Wie die Bundeswehr gegen massiven Protest gegründet wurde

Die Bundesrepublik Deutschland unternahm in den mittleren 1950er-Jahren die ersten offiziellen Schritte zum Wiederaufbau ihrer Streitkräfte. Dieser Schritt folgte auf jahrelange hitzige Debatten, öffentliche Proteste und politischen Widerstand. Am 12. November 1955 berief Theodor Blank in der Ermekeil-Kaserne in Bonn offiziell die ersten Offiziere und Unteroffiziere der späteren Bundeswehr in ihr Amt.

Der Druck zur deutschen Wiederbewaffnung nahm nach dem Koreakrieg zu, der Bedenken hinsichtlich der europäischen Sicherheit aufwarf. Die Diskussionen konzentrierten sich auf einen "deutschen Verteidigungsbeitrag" im Rahmen einer größeren europäischen Armee. Doch die Vorstellung, dass deutsche Soldaten erneut Dienst leisten sollten, löste heftigen Widerstand aus – im ganzen Land skandierten Demonstranten Ohne mich! ("Zählt mich nicht mit!").

1951 verbot die Regierung zwar ein Volksbegehren zur Wiederbewaffnung, doch Tausende gaben trotzdem inoffiziell ihre Stimme ab. Im selben Jahr wurde die Freie Deutsche Jugend (FDJ), eine kommunistisch geprägte Jugendorganisation, wegen ihrer antimilitaristischen Haltung verboten. 1952 eskalierte der Widerstand, als die Polizei in Essen während einer Demonstration einen jungen FDJ-Anhänger erschoss.

1955 flammte der Protest erneut auf, als die Pläne für die Bundeswehr und den NATO-Beitritt konkreter wurden. Die Paulskirchenbewegung und die SPD führten Kundgebungen an, während Zehntausende das Deutsche Manifest gegen die Remilitarisierung unterzeichneten. Trotz des massiven Widerstands trieb die Regierung die Pläne voran und gab der neuen Truppe am 1. April 1956 offiziell den Namen Bundeswehr.

Bis Juli 1956 wurde nach erbitterten Parlamentsdebatten die Wehrpflicht eingeführt. Ziel war es, eine Armee von 500.000 Soldaten aufzubauen – ein entscheidender Schritt zur vollständigen Wiederherstellung der militärischen Strukturen Westdeutschlands.

Die Gründung der Bundeswehr prägte die Nachkriegsidentität der Bundesrepublik nachhaltig. Trotz jahrelanger öffentlicher und politischer Ablehnung folgten Wehrpflicht und NATO-Integration. Die Ereignisse der Jahre 1955 und 1956 legten den Grundstein für die Verteidigungspolitik des Landes in den kommenden Jahrzehnten.

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